Nix los im Blog? -- Elternbesuch.

Mittwoch, 09.10.2019

Überschrift sagt alles, ne? Also, am 28.8. (Samstag) ging ich nach meiner Arbeit am Vormittag (Räume säubern in El-Abiodh) zurück auf mein Zimmer, um Nachrichten zu checken vor dem Gebet. Mutti hat geschrieben:

"Wir konnten nicht einfach vorbeifahren und schauen mal, ob du da bist ..."

Wo sollte ich sonst sein? Ich schnappte mein Zeug und rannte zur Kirche, wo ich auf meine Eltern traf. Sie waren auf dem Weg nach Cluny und hätten direkt durch Taizé durchfahren müssen - natürlich guckt man da, ob man die Tochter trifft. Wir gingen gemeinsam zum Gebet (ich hatte Singing Support) und machten danach aus, dass wir uns gegen 15 Uhr treffen und zusammen nach Cluny fahren würden. Es folgte ein echt schöner Tag, vor allem, weil ich eigentlich frühstens am Samstagabend mit meinen Eltern gerechnet habe - so hatten wir einen halben extra-Tag, und der war echt schön.

Wir gingen einkaufen, kauften Winterschuhe für mich, liefen um die Abtei, saßen in einem Café und gingen Abends dann im besten Burgerladen essen. Nebenbei redeten wir ganz viel (was man halt so macht, wenn man seine Eltern seit 9 Wochen nicht mehr gesehen hat).

Die Woche dann war echt besonders. Ich besuchte meine Eltern auf dem Zeltplatz. Mittwoch besuchten meine Eltern mich und meine Mitbewohnerinnen auf unserem Zimmer und wir hatten echt tolle Gespräche. Gerade Fayal war echt begeistert! Am nächsten Tag gab es ein Treffen zwischen meiner contact sister und meinen Eltern, das war für beide Seiten echt interessant. Freitag gingen wir auf den Wochenmarkt in Ameugny (ein echter Geheimtipp von mir!) und kauften Ziegenkäse, auf dem Rückweg trafen wir eine süße Katze. Den Samstagnachmittag verbrachten wir dann nochmal zusammen am Oyak ... und Sonntag war die Woche schon wieder vorbei. Nach der Messe fuhr der blaue Bus wieder ab nach Deutschland, denn Mutti musste Montag wieder arbeiten. Ich hatte nur ein paar Tränen im Gesicht, als ich ihnen gewunken habe - immerhin sieht man sich in wenigen Monaten ja wieder.

Abgesehen von meinen Eltern verabschiedete ich noch eine ganze Reihe an anderen Leuten - viele Permanents gingen wieder nach Hause und einige Jobs werden wohl um einiges anders sein. Einige Stimmungskanonen sind nicht mehr da.

Allgemein gesehen war es aber eine echt gute Woche. Etwas anstrengend dank der Jobs (Cadole am Morgen und Nachmittags die Bäder von N'Toumi und Madras putzen), und mein absoluter Tiefpunkt war, als ich händeweise Haare aus den Abflüssen der Duschen holen musste. Aber Elternbonus macht wohl alles besser.

Die einen fahren und die anderen kommen an - Sonntagabend begrüßte ich Freunde aus Weimar in Taizé. Selbst in N'Toumi ist es nicht anders, Mädchen kommen und gehen jede Woche aufs Neue. Die Abschiede machen mich doch etwas fertig. Die Woche war in dem Sinne aber auch etwas extrem.

Danke fürs Lesen und für die Geduld! Jetzt geht es wieder wie gewohnt weiter. Bis demnächst!

Ein Abenteuer - Fahrt nach Lyon und zurück nach Taizé

Mittwoch, 25.09.2019

Als ich am Samstag auf meine Arbeitsliste sah, erschrak ich leicht. Neben bereits bekannten Jobs wie Gemeinschaftsraum hüten (morgens) und Cadole (praktische Arbeit am Nachmittag) hatte ich für Freitag einen extra Job: "airport Lyon Saint Exupérie". Da stand ich erstmal fragend davor, ein Treffen war für Donnerstagabend angegeben sowie der Hinweis, dass ich 'public transport' nutzen würde.

Normalerweise werden Permanents, die mit dem Flugzeug nach Hause reisen müssen, mit dem Auto hingefahren. Deswegen war ich ziemlich verwirrt und musste bis Donnerstagabend warten.

Das Treffen mit Bruder Matthias brachte dann die Auflösung. Seit Juni diesen Jahres werden auch öffentliche Verkehrsmittel genutzt, um Ressourcen zu sparen und nachhaltiger zu sein (und vielleicht weil die Autos von Taizé generell nicht die besten sind). Um die abreisenden Permanents bei Gepäck und auf dem ersten Schritt Richtung Zuhause zu unterstützen, bekommen sie eine Begleitung. In meinem Fall begleitete ich Reine aus dem Lybanon zum Flughafen in Lyon. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln. 

Dafür bekam ich von Bruder Matthias eine Mappe mit Informationen, Stadtplan, Abfahrts- und Ankunftszeiten, ein Diensttelefon und diverse Fahrkarten. Und etwas Bargeld für den Notfall. Außerdem hatte ich die Aufgabe, Straßenbahntickets zu kaufen für nächste Begleitungen.

Die Nacht von Donnerstag zu Freitag konnte ich kaum schlafen, weil ich alle Szenarien durchging, was alles schief gehen könnte. Das Abenteuer begann dann um 9h39 mit dem Bus nach Macôn (etwa eine Stunde), ging weiter mit dem Zug nach Lyon (etwa 45min) und machte dann eine uneingeplante Pause am Straßenbahnticketautomaten. Der nahm nämlich nur Karte oder Münzgeld an - keinen 20€-Schein von Bruder Matthias. Ein Glück hatte ich etwas Kleingeld mit und konnte auslegen, aber den Schock vor dem Automaten werde ich nicht vergessen. Mir tat auch Reine leid, weil ich kurz vor der Panik stand und sie ja eigentlich Sicherheit von mir erwarten sollte.

Mit der Straßenbahn fuhren wir etwa eine halbe Stunde, stiegen dann in den Bus zum Flughafen um. Dort angekommen half ich Reine beim Gepäck und brachte sie bis zum Einchecken. 

Ich war noch nie in so einem großen Flughafen gewesen (bin noch nie geflogen und habe nur einmal Leute zum Frankfurter Flughafen begleitet). Wir brauchten etwa 20min, um zum richtigen Terminal zu gelangen. Dann verabschiedeten wir uns und waren jeweils auf uns allein gestellt.

Ich war echt nervös auf dem Rückweg. Ständig schaute ich in der Mappe nach, ob ich richtig war und welche Zeit für das nächste Transportmittel am besten wäre. Letztendlich war ich 15h30 wieder im Bahnhof Lyon und suchte meinen Zug nach Macôn.

Und suchte. Und fragte. Und suchte weiter. Bis mir bewusst wurde, dass in Frankreich das Gleis erst 20min vor der Abfahrt bekannt gegeben wird. Dann entspannte ich mich und ging in den nächsten Laden, um Süßigkeiten zu kaufen. Ab dann verlief alles nach Plan und gegen 18h40 war ich wieder in Taizé.

Bruder Matthias war sehr zufrieden mit mir und gab mir auch das Geld wieder für die Tickets. Danach konnte ich etwas essen, zum Gebet gehen, meine Eltern anrufen und schlussendlich ins Bett fallen und schlafen. 

Sonstiges aus dieser Woche: Ich bin offiziell im Singing Support Team und darf mittlerweile allein singen. Es ist toll! Stressig und gleichzeitig schön ist, dass man die Lieder später am Abend selbst aussuchen kann.

Danke fürs Lesen, bis demnächst! Danke auch wieder an die Kommentare, das gibt mir viel Kraft!

Verantwortung übernehmen

Dienstag, 17.09.2019

Diese Woche war anstrengend, aber echt schön. Gut, das könnte ich über jede Woche sagen - aber es gab wieder viel neues.

Denn diese Woche hatte ich plötzlich Verantwortung in meinen Jobs. Sonst war ich immer Teammitglied, dieses Mal führte ich Teams an. Na gut, zum Morgengebet hielt ich lediglich den Brotkorb mit gesegneten Brot - aber nach dem Frühstück leitete ich eine Putzgruppe bei Point 5. Das Team zu animieren, die Toiletten zu putzen, ging erstaunlich einfach, wir waren immer als erstes Team fertig. War nicht so anstrengend.

Mein nächster Job war dann anstrengend. Ich übernahm die Verantwortung für 2 Abwaschteams - einmal um 14 Uhr und um 19 Uhr. 'Washing up El - Abiodh" bedeutet, dass man die Essenbox der Permanents, Schwestern und Silenceleute säubert, Küchengeräte einordnet und schwarze Styroporboxen sauber macht und versucht, so trocken wie möglich zu bekommen ... mit Papier.

Dafür bekam ich am Montag eine kleine Einführung und war dann auf mich allein gestellt. Mein Nachmittagsteam bestand aus 8 Jugendlichen und lernte sehr schnell, war auch verständnisvoll, wenn ich selbst keine Ahnung hatte. Das Team am Abend bestand aus ebenso vielen Erwachsenen, die die Arbeit genauso gut machten wie die Jüngeren. Nur am Montagabend verließen sie mich früh, um zum Abendgebet zu gehen, ich musste den Rest allein machen. Nach einer kleinen Standpauke blieben sie den Rest der Woche, bis alles fertig war.

Dienstag bekam ich die Nachricht, dass man mich gerne singen hören würde um zu sehen, ob ich für den 'singing support' geeignet wäre. Ich war ziemlich stolz, ausgewählt worden zu sein und am nächsten Tag hatte ich ein kleines Vorsingen, wurde angenommen. Für den Singing Support (Gesangsunterstützung) muss man alle Kanons können und alle Sopranstimmen der Lieder.  Außerdem muss man anstimmen können. Ich bin ja eher Alt als Sopran, aber das war anscheinend kein Problem. Freitag hatte ich dann meine Einführung und in der nächsten Zeit geht es richtig los.

Da meine EC-Karte nicht funktioniert in der Éxposition, fuhr ich am Samstagnachmittag mit zwei Freundinnen ins nahegelegene Cluny, um im dortigen Shop meine Karte zu testen. Ging nicht. Aber am Geldautomaten funktionierte es dann, warum auch immer. Jetzt habe ich wieder etwas Bargeld, das ich für Keramik ausgeben kann. Da die Briefmarken hier 1.30 € kosten, kann ich leider keine Postkarten mehr schicken, auch wenn ich das fest vorhatte ...

Da wir nun schon mal in Cluny waren besuchten, wir gleich noch das Museum der Abtei. Da kamen wir sogar kostenlos rein! Es war interessant und spaßig.

Es tat auch einfach gut, mal aus Taizé raus zu kommen nach 1 1/2 Monaten. Etwas anderes zu sehen, auch wenn es nur eine kleine Stadt mit Supermarkt ist. Eisessen, Schokolade kaufen und Spaß haben, das tat gut. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in Cluny.

Man liest sich wieder!

N'Toumi - endlich 'richtig' angekommen

Donnerstag, 12.09.2019

Als ich meinen Schrank im Zimmer 118I einräumen konnte, fühlte ich mich super. Unglaublich gut sogar! Endlich Ordnung und Schluss mit Koffern. Obwohl ich eher eine unordentliche Person bin ... das tat echt gut.

Es gibt große und kleine Unterschiede für das Leben in Madras und N'Toumi. Zum einem sind wir nicht mehr 60, sondern etwa 100 Mädchen. Besonders zu den Mahlzeiten ist es dann immer sehr laut und sehr voll im Gemeinschaftsraum. Deswegen gibt es die Ansagen immer nach dem Essen mit Übersetzungen - dafür bleiben alle 30min sitzen. Freitags ist das Mittagessen in Stille mit klassischer Musik - da fiel mir erst auf, wie laut es die letzten Tage war.

Wir haben immer noch nur eine Waschmaschine ... die ein kleines Monster ist. Ich lege mich nicht nochmal damit an und setze die nächste Zeit auf Handwäsche.

In N'Toumi gibt es 4-Bett-Zimmer. Sollte man nicht dank Bettwanzen o.ä. das Zimmer wechseln, ist man die ganze Zeit mit den gleichen Leuten zusammen (logisch). Da man länger bleibt, sind die Zimmer besser eingerichtet - neben Schränken gibt es auch einen Tisch, einen Hocker und Steckdosen. Wenn man Glück hat, funktionieren letztere sogar, aber Stromausfälle sind in N'Toumi gar nicht so selten. In dieser Woche hatten wir 3 Tage kein Licht.

Das Zimmer teile ich mir mit Ana aus Polen (zumindest bis Sonntag, dann ging es für sie zurück nach Hause), Fayal aus Indien (seit Mittwoch) und Ruma aus Bangladesch (nur für kurze Zeit, ihr Zimmer wurde dank Bettwanzenfund geschlossen und die Mädchen auf andere Zimmer aufgeteilt).

Es gibt eine kleine Bibliothek, eine große Kissenecke, Platz zum Basteln und viele Tische und Bänke im Gemeinschaftsraum. Generell ist er viel größer als der Raum von Madras und mir gefällt er sehr! Außerdem haben wir einen Computer - von 14 bis 19 Uhr kann man im Internet surfen, außerhalb dieser Zeit kann man sich mit solitaire und paint beschäftigen.

Meine Arbeit diese Woche war vormittags sehr anstrengend. Körperliche Arbeit wie Tische schleppen, Zelte putzen und abbauen, Holzplanken verladen - ich habe immer noch Schmerzen im Rücken. Nachmittags war es dann einfacher: Picknicks packen. Nach 2 Tagen waren wir damit fertig und vertrieben uns die restliche Zeit mit Kartenspielen und 'Mate' - ein Teeritual aus Argentinien, das war echt schön und viel besser als 'Club Mate' aus Deutschland. Abends war ich zuständig für das Allergikeressen - jeden Tag Reis mit Gemüse, yeah!

Ich lernte sehr viele neue Leute kennen und verbrachte doch noch etwas Zeit mit ehemaligen Madrasmädchen. Davon musste ich über die Woche noch einige verabschieden, besonders schwer fiel mir der Abschied von Niki aus Singapur. Wir haben wirklich viel Zeit miteinander verbracht, eines Tages möchte ich sie besuchen. Ich bin sehr dankbar sie kennengelernt zu haben, denn außerhalb von Taizé wären wir uns wohl nie begegnet.

Innerhalb einer Woche habe ich mich gut eingelebt (ein Schrank wirkt Wunder!!). Die Arbeit hält mich von gelegentlicher Trauer ab, man ist meist durchgehend beschäftigt. Trotzdem vermisse ich etwas die Zeit in Madras.

Mittlerweile bin ich auch gar nicht mehr 'neu' in Taizé, immerhin bin ich seit einem Monat Permanent. Deswegen fühle ich mich etwas komisch, wenn jede Woche immer noch neue Gesichter dazu kommen, neu anfangen. Und doch habe ich manchmal das Gefühl, völlig neu zu sein. Komisch.

Zuletzt noch mein Highlight der Woche - eine Gesprächsrunde zwischen heutigen Permanents und Permanents aus den Jahren 1971-1989! Sie zeigten uns ein Gesangbuch von 1989, welches nur 64 Lieder hatte (die heutigen Hefte haben 159). Außerdem noch alte Postkarten und Fotos von sich vor der Kirche. Es war eine tolle Stimmung und die 'alten' waren begeistert, dass es nach 40 Jahren noch Taizé und Permanents gibt. Dieser Ort ist wohl für die Ewigkeit.

Vielen Dank fürs Lesen!

Reflektionswoche und einige Treffen ... und wieder Abschiede

Montag, 02.09.2019

Rückblickend war diese Woche gar nicht so krass, wie ich sie mir vorgestellt habe. Das heißt aber nicht, dass sie langweilig war oder so! Nur bedeutet das Wort "Workshop" in Taizè nichts praktisches, sondern eher 2 Stunden Vortrag und Fragerunde mit Experten. Mehr dazu gleich.

Zuerst möchte ich erwähnen, dass man den Unterschied zwischen einer normalen Woche und der Reflektionswoche nicht nur an der Zahl der zu besuchenden Workshops erkennen kann, sondern auch an der Lautstärke in der Kirche und an den Leuten, die nach den Gebeten noch sitzen bleiben um zu singen und zu beten - und generell auch an der Stimmung. Selbst die Silence-Schilder taten ihre Wirkung! Dass also diese Woche kaum Leute unter 18 Jahren da waren, das merkte man. Und das meine ich echt im positiven Sinne! Es war schön, dass es etwas ruhiger war.

In meinem letzten Post schrieb ich, dasss die Permanents entweder den Vormittag oder den Nachmittag frei hätten. Das war auch der Fall, und das war auch echt schön! So konnte man sich entscheiden, ob man an einem Workshop teilnimmt oder sich im Garten etwas entspannt.Vormittags kümmerte ich mich um den Gemeinschaftsraum von Madras, nach dem Mittagessen konnte ich dann frei entscheiden was ich tun würde. Dass mir nicht ständig die Zeit im Nacken saß, war toll - auch wenn das hieß, dass man ab 17 Uhr hungrig auf das Abendessen wartete, weil es keinen Nachmittagssnack von der Arbeit gab. Meh.

Montag besuchte ich einen Workshop über jüdische Traditionen und zeitgenössische Umweltprobleme. Klang ganz interessant, war es aber letztendlich doch nicht so. Die meiste Zeit analysierten wir hebräische Wörter. Dienstag ging ich zu einem Vortrag von Kardinal Reinhard Marx zum Thema: "Das Evangelium heute leben und verkünden". Ich habe absolut keine Erinnerungen daran. Später am Tag hatte ich ein Gespräch mit Bruder Alois (und weiteren ca.150 Leuten) im Haus der Brüder. Zuerst schmierten sie Baguettebutterbrötchen und schenkten uns Tee ein, dann kam Alois hinzu und es gab eine Fragerunde. Ich saß ganz nah bei ihm, das war echt krass.

Mittwoch traf ich den Kardinal noch einmal in einer kleinen Runde mit anderen Permanents. Er selbst war zuletzt vor 44 Jahren in Taize gewesen, deswegen wollte er einige aktuelle Erlebnisse von Permanents hören. Danach war ich aber zu kaputt für einen Workshop und legte mich in den Garten.

Donnerstag war dann der Höhepunkt der Woche für mich, denn ich besuchte den Workshop über Entscheidungen im Leben. Und mir ist etwas bewusst geworden: Ich muss gar nicht so ganz ganz lange in Taizé bleiben, da ich jedes Jahr wiederkommen kann. Momentan erscheint mir eine Zeit von 6-12 Monaten viel zu lang - dieses Gefühl kann sich aber in den nächsten Wochen bestimmt wieder ändern. Aber allein der Gedanke, dass ich nicht bleiben MUSS, gab mir ganz viel gute Energie.

Samstag ging ich zum einzigen praktischen Workshop der Woche, über Kunst und emotionale Gesundheit. Aber wir haben uns eigentlich nur auf den Kunst-Part konzentriert und danach etwas über unsere Erfahrungen gesprochen. Ich hatte sehr viel Spaß beim Erschaffen von Kunstwerken aus Naturmaterialien :)

Diese Woche war die letzte Woche mit den Mädchen aus Madras - Sonntag und in der kommenden Woche machten sich fast alle wieder auf den Heimweg. Das wurde mir aber erst am allerletzten Tag so richtig bewusst, als ich letzte Gespräche führte und nette Nachrichten an die meisten Mädchen schrieb. Ich vermisse alle sehr, in den letzten Wochen sind wir zu einer netten Gruppe geworden und einige werde ich wohl nie wieder sehen. Abends bildeten wir im vorderen Teil eine Singgemeinschaft und es tat gut, gemeinsam zu singen, zu lachen und zu weinen. Der Abschied am Sonntag nach der Messe tat echt weh.

Besonders Niki aus Singapur werde ich sehr, sehr vermissen. Fast jeden Tag redeten wir stundenlang über einfach alles, so eine intensive Zeit hatte ich selten oder noch nie mit einer Person. Es ist unglaublich, was man für tolle Menschen in seinem Leben trifft und doch ziehen lassen muss. Nächste Woche ist sie zwar noch in Taizé, aber in Stille. Ich habe ein wenig Angst vor dem endgültigen Abschied, aber auch Hoffnung, sie wieder zu sehen - ob in Taizé oder irgendwo anders.

Huh, kommen wir von dieser traurigen Sache noch zum Abschluss zu einer ganz wundervollen Sache - ein Schrank. EIN SCHRANK!!! Ja, Madras wurde Sonntag geschlossen, und alle Mädchen, die noch bleiben, zogen in das neue Mädchenhaus N`Toumi. Jetzt fühle ich mich endlich so richtig "angekommen". Was sich alles ändert und so könnt ihr dann im nächsten Beitrag lesen!

Danke wieder für alle Kommentare und an alle, die sich den Blog ansehen!

Krank in Taizé ...

Dienstag, 27.08.2019

... ist nicht unbedingt der beste Zustand, den man haben kann. Krank zu sein generell ist nicht so toll, aber in Taizé ist es ganz besonders blöd.

Aber dazu später mehr. Zuerst möchte ich eine viel gestellte Frage beantworten: Was habe ich diese Woche gemacht? Morgens, von 9 bis 11 Uhr, war ich im 'Olinda cleaning team' und habe Toiletten geputzt und den Abwasch gemacht im Familienteil von Taizé - im 1km entfernten Ameugny. Mittags dann war ich dafür zuständig, dass die Kirche vor den Gebet ruhig ist. Dabei lief ich mit dem typischen 'Silence' Schild herum und sprach quatschende Menschen auch direkt an. Das war ein sehr unangenehmer Job für mich, egal was man macht - es ist immer sehr laut und man wird konstant ignoriert. Von 17 bis 19 Uhr arbeitete ich dann in der Éxposition (auf gut deutsch: im 'Taizé-Shop') und habe Keramik in Papier eingepackt. Das war echt schön, nebenbei lief Instrumentalmusik von Taizéliedern und ich konnte lesen. Meine Partnerin war Ruma, ein Mädchen aus Bangladesch. Ihr habe ich auch Hotspot gegeben, da sie ihre Familie und Freunde einen ganzen Monat nicht erreichen konnte! Meine Eltern rufe ich ja meistens alle 3-5 Tage an ...

Nun gut, zurück zum Titel des Posts. Es fing in der Nacht vom Samstag (17.8.) zum Sonntag an mit Halsschmerzen. Wer mich kennt und schon mal über Halsschmerzen jammern gehört hat, weiß, dass ich in dieser Nacht keinen Schlaf bekommen habe und dass ich in 2/3 Fällen richtig krank werde. Dieses Mal war so ein Fall. Ich ging also am Sonntag vor der Messe zur Krankenstation und der Doktor dort gab mir 6 Eukalyptusbonbons. Na geil! Den ganzen Tag wurde es nicht besser (natürlich!) und als ich am Abend wieder hin ging, gab er mir 2 Paracetamol Tabletten. Diese brauchte ich zum Einschlafen auf, dann rief ich verzweifelt meine Mutter um 1 Uhr nachts an und bat um mütterlichen Beistand. Na gut, viel konnte sie nicht tun - aber manchmal tut es einfach gut, ihre Stimme zu hören (Grüße gehen raus!). Ein bisschen Schlaf hatte ich tatsächlich in dieser Nacht. Am Montag zwang ich mich zu arbeiten, bis Abends hatte ich keine Möglichkeit den Arzt zu sehen.

Als ich dann endlich zum 3. Mal bei ihm war, sah er mich nur an und entschied, dass ich diese Nacht auf der Krankenstation verbringen würde. Also packte ich das Nötigste ein und zog in ein Krankenzimmer.

Es ist toll, sein eigenes Zimmer zu haben - mit Tisch, Stuhl und eigenem Bad! Nur die Atmosphäre (Stille und Dunkelheit) war so ungewohnt, dass ich trotzdem kaum schlafen konnte. Aber am nächsten Morgen ging es mir besser.

Den ganzen Dienstag verbrachte ich in El-Abiodh. Vormittags las ich in der Bibel, hörte meinen MP3Player leer und versuchte zu schlafen. Alle 2 Stunden kam ein Mädchen vorbei und fragte, ob ich etwas brauchte oder brachte mir Essen. Nachmittags besuchte mich Karolina, ein Mädchen aus Polen, mit dem ich mich gut verstehe. Wir redeten etwa eine halbe Stunde, dann musste sie zu ihrer Arbeit. Es tat gut mit jemandem zu reden, allein in Taizé zu sein ist einfach so komisch. Ich habe in dieser Woche 7 Gebete verpasst und jedes einzelne hat mir gefehlt. Es ist so ungewohnt, wenn man die Glocken läuten hört, alle Leute zum Gebet gehen und es so ruhig wird. 

Am späten Nachmittag meinte der Doktor zu mir, dass ich wieder zu den anderen Mädchen gehen kann. Darüber war ich sehr froh.

Und naja, mittlerweile sind die Halsschmerzen verschwunden, die Nase läuft wie verrückt und der Husten ist sehr hartnäckig. Aber generell fühle ich mich sehr viel besser, ab Mittwoch konnte ich wieder arbeiten gehen und an den Gebeten teilnehmen. Alle Mädchen fragten immer, wie es mir geht und freuen sich, dass es besser ist. Sie sind echt super nett!

Nächste Woche wird es besonders spannend, denn die Reflektionswoche für junge Erwachsene im Alter von 18-35 Jahren findet statt und es gibt ganz viele Workshops. Die Permanents haben dann entweder Vormittag oder Nachmittag frei um teilzunehmen. Das wird bestimmt toll!

Danke fürs Lesen! Danke auch wieder an die vielen Kommentare, leider kann ich keine beantworten - mein Handy spinnt jedes mal und ich warte lieber bis ich den Computer im anderen Mädchenhaus benutzen darf. Danke trotzdem! Man liest sich demnächst wieder!

Erste Woche als Permanent - so viel Neues!

Donnerstag, 22.08.2019

Wie angekündigt, nun ein kleiner Bericht über meine Arbeit und andere Ereignisse. Ich weiß, kommt etwas spät - immerhin ist die zweite Woche schon wieder fast vorbei! - aber die letzten Tage war ich krank oder hatte kaum Zeit zu schreiben. Wie dem auch sei, los geht's!

Sonntag ging alles wie drunter und drüber, Sonntage werden hier immer als Chaos bezeichnet. Nach der Messe wurden Baracken gesäubert, Queen gehört und erste Bekanntschaften mit anderen Permanents gemacht. Ich lernte Dia aus Ungarn kennen, sie zeigte mir ein paar Tage später, wie man die Waschmaschine benutzt (war überraschend einfach). Nach einem reichlichen Mittagessen ging es nachmittags bei strömendem Regen zur 'Rubbish Collection'. Dabei kontrolliert man die Müllbeutel rund um Taizé und tauscht sie ggf. aus, sammelt die Pfandflaschen und Dosen extra und zum Schluss wird alles in der Recycling Area gepresst oder nochmal sortiert. Im Regen echt nicht gut.

Diesen Job hatte ich dann die restliche Woche jeden Nachmittag, glücklicherweise ohne den Regen. Wir waren ein tolles Team und hatten echt Spaß. Vormittags durfte ich beim Vorbereiten der Kirche helfen: Liedhefte sortieren (und von einem Eingang zum nächsten schleppen), Liedblätter, Psalme und Lesungen sortieren (besonders stressig, weil alle in die gleiche Richtung zeigen müssen), Kerzen auswechseln, Gläser auswaschen und Kerzen anzünden und zuletzt die Bänke der Brüder und Mikrofone richten. Natürlich nicht alles hintereinander, man konnte jeden Tag etwas anderes machen. Liedhefte sortieren hat mir am meisten Spaß gemacht, gemeinsam mit dem Anzünden der Kerzen.

Am Sonntag wurde uns auch unsere Kontaktschwester (folgend immer 'contact sister') zugeteilt, ich habe Sister Elke. Montag hatte ich mein erstes Treffen mit ihr, es war etwas komisch. Ich wusste nicht ganz, was ich ihr sagen sollte - also stellte sie mir einige Fragen zu meinem Leben, um mich besser kennenzulernen. Sie ist super nett und ich freue mich auf das nächste meeting.

War ich in der letzten Woche auf dem Feld noch durchgehend hungrig, müde und fertig, so war ich diese Woche nur müde und fertig. Die Permanents bekommen besseres und ausreichender Essen als die Leute vom Feld (folgend immer als 'field people' bezeichnet). In Taizé war ich noch nie so durchgehend satt! Das Essen ist super, gegessen wird immer zusammen, und die Gespräche am Mittsgstisch sind immer lustig. Generell gibt es eine fröhliche Grundstellung unter den Permanents. Alle sind super höflich, und überall wird gelacht.

Am Mittwoch gab es ein sogenanntes 'Sharing', also ein gemeinsamer Abend der Mädchen mit einem zentralen Thema. Für diese Woche hatten wir die Aufgabe, uns das Gelübde der Brüder durchzulesen und über einzelne Punkte zu sprechen. Denn am nächsten Tag würde ein Bruder sein lebenslanges Engagement versprechen. Ich fand besonders interessant, dass die Brüder ihre Gefühle, sollten sie negativ oder traurig sein, nicht zeigen und nur fröhlich gesehen werden sollen. Tatsächlich sehen alle Brüder meistens fröhlich aus!

Donnerstagabend also fand das Gelübde statt. Frère Alois und Frère Henry saßen sich im Schneidersitz auf einem kleinen Podest gegenüber. Frère Alois stellte die Fragen und der ehemalige 'Jungbruder' (tatsächliche Bezeichnung!) antwortete immer mit《Je le veux》("Ich will"). Als Zeichen des Bundes wurde Frère Henry ein Ring angelegt, beide standen auf und umarmten sich. Alle Menschen in der Kirche klatschten, es gab Jubelschreie und Freudentränen und ich werde diesen Augenblick wohl nie vergessen. Frère Henry war so überglücklich, es war toll. Für mich ist es ein großes Glück, an diesem besonderen Abend teilgenommen zu haben, ich habe ganz laut und aus vollem Herzen gesungen.

Zwei Tage später wurden die Jobs für die kommende Woche bekannt gegeben, und dies war dann Gesprächsthema der nächsten Tage unter den Permanents.

Ich fühle mich schon sehr zuhause in Taizé. Trotzdem muss ich häufig an mein Zuhause in Weimar denken, besonders wenn das wöchentliche Taizégebet stattfindet.

Vielen Dank wieder an alle, die ein Kommentar unter dem letzten Beitrag hinterlassen haben! Es freut mich wirklich, dass ihr an mich denkt! Also dann, man liest sich demnächst wieder!

Alle weg, ich bleibe

Montag, 12.08.2019

Wenn man als Permanent für eine längere Zeit in Taizé bleiben möchte, verbringt man die erste Woche als ganz normaler Teilnehmer. Ich fuhr also mit einer großen Gruppe aus der Gemeinde vor einer Woche nach Taizé. Es war eine schöne, aber auch sehr anstrengende Woche.

Ich war noch nie im Sommer hier und war demnach nicht so auf das Wetter vorbereitet. Die ständige Abwechslung von schüttenden Regen und knallender Sonne machte mich echt fertig, jetzt habe ich mich etwas daran gewöhnt.

Was war nun trotzdem besonders an dieser 'normalen' Woche? Nun, zum einem war ich 'contact person' für eine Bibelgruppe der 15/16 Jährigen. Das war eine ganz neue Erfahrung. Wir haben viele Spiele gespielt, die Bibelarbeit an manchem Tag etwas vernachlässigt und generell war es eine gute Gruppe. 

Am Mittwoch (7.8.) gab es ein Treffen für angehende Permanents. 25 Mädchen sind insgesamt neu, fangen mit mir zusammen an. Die meisten bleiben für 1 Monat. So viele neue gibt es sehr selten, meistens sind es so 10-15 Mädchen. Jede hatte ein Gespräch mit einer Schwester, ich war (natürlich) die Letzte.

Samstag gab es noch ein Treffen und man zeigte uns das Gelände und unseren Wohnplatz: Madres. Dieser beinhaltet: 1 Waschmaschine für ca. 60 Mädchen, 8-Bett-Zimmer ohne Stuhl und Regal, ein großer Garten und ein Aufenthaltsraum. Ich weiß nicht was ich erwartet habe, aber ein Regal wäre schon schön gewesen - dass ich die nächste Zeit aus dem Koffer leben muss stört mich.

Sonst ist es sehr schön hier. Tolle Menschen, Gespräche und Gebete. Was ich in dieser Woche mache, welche besonderen Events stattfinden und was mir sonst noch einfällt könnt ihr im nächsten Beitrag lesen ^^ Dieser ist schon etwas lang und in Taizé habe ich mit meinem Handy kaum Empfang.

Danke für die lieben Kommentare, es ist jedes mal eine Freude sie zu lesen! Danke auch an alle, die an mich denken!

Letzter Abend in Weimar

Samstag, 03.08.2019

Nachdem es einige Tage ruhig auf diesem Blog war, geht es morgen wirklich los.

Relativ spontan hatten meine Eltern und ich eine 'Abschiedsparty' im Hinterhof organisiert. Es fühlte sich zeitweise wie Kindergeburtstag an - Spiele spielen, Fotos machen, Schlemmereien, (Abschieds-) Geschenke auspacken, Spaziergang und zum Schluss heiße Tränen. Dann noch Telefonate mit Tanten, Omas und Freunden - bis ich nun endlich, mit gepackten Taschen, hier sitze und schreibe.

Ich habe sicher viel zu viel eingepackt und bin gespannt, wieviel ich tatsächlich brauche. Ob ich es schaffe, einige Dramen von Shakespeare zu lesen - oder liegen sie die Monate nur im Koffer rum?

Es war ein wirklich schöner Tag. Ein Abschluss von vielen 'ein-letztes-Mal' Momenten der vergangenen Tage: ein letztes Mal zu Worship, Taizégebet, Biebereis, Arbeiten, Freunde treffen, Einkaufen, ...

Jetzt freue ich mich auf die Fahrt in etwa 8 Stunden, auf das Taizéschild, auf die Woche mit Freunden und natürlich auf meine Zeit in Taizé.

Bald geht es los

Samstag, 20.07.2019

In etwa zwei Wochen geht es los. Ich werde längere Zeit in Taize verbringen, nicht nur wie in den letzten Jahren jeweils eine Woche. Was ich auf "meinem" Hügel in Burgund erlebe, erfahrt ihr hier.

Doch voher heißt es noch: Rucksack packen, Freunde verabschieden, Mama trösten und beruhigen. Eigentlich müssten auch die Schulsachen noch weg, zumindest das, was ich später im Studium garantiert nicht mehr brauchen werde (Grüße an Chemie, Mathe, Bio wink ), die endlos bekritzelten Hefter, lose Arbeitsblätter ... Aber ich hab ja noch 14 Tage Zeit!